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Bestattungen im Ruhewald Hallenberg

21.04.2011 - 08:51 /

Ab 1.7.2011 gibt es in Hallenberg den ersten Bestattungswald im Sauerland. In seiner Ratsitzung vom 13.4.2011 hat der Stadtrat einstimmig entschieden den Ruhewald Hallenberg einzurichten.

Veränderte Bestattungsformen

Logo Ruhewald Hallenberg

In den letzten Jahren hat der Wunsch zu veränderten Bestattungsformen enorm zugenommen. Gründe hierfür sind der Demografische Wandel,  die Zunahme von Ein- und Zweikinder-Familien, Single-Haushalte sowie kinderlose Lebensgemeinschaften. Oft wohnen die für die Grabpflege Verantwortlichen nicht mehr am Ort

Pflegeärmere Gräber, mit wenig zeitlichem Einsatz, werden erwartet. Außerdem zwingen die hohen Kosten für Dauergrabpflege, ungepflegte Gräber und strenge Friedhofsordnungen im Sinne des Generationenvertrages zu einem Umdenken bei der Grabpflege. Es werden Lösungen gesucht für pflegefreie Friedhofskonzepte mit überschaubaren Kosten. Außerdem werden Möglichkeiten gesucht für sich selbst eine Vorsorgelösung zu planen und bereits zu Lebzeiten zu bezahlen.

Auch in Hallenberg ist eine langsame aber spürbare Veränderung eingetreten. Wurde noch in den Jahren 1996/1997 die Einrichtung eines Urnenfeldes in Hallenberg für nicht erforderlich gehalten, so hat auch bei uns die Urnenbestattung stetig zugenommen. Mehrfach wurde in den vergangenen Jahren von Bürgern die Frage nach der Möglichkeit einer Waldbestattung gestellt. Von mindestens 3 Hallenbergern ist bekannt, das sie bereits Verträge mit Bestattungswäldern in der Umgebung abgeschlossen haben. Auch der Bestatter Hartmut Müller hat in der Ratsitzung von mehreren Hallenbergern berichtet, die bei ihm den Wunsch nach einer Waldbestattung vertraglich geregelt haben.

Konzept Ruhewald

Ein Bestattungswald ist eine alternative Bestattungsform. Die Asche Verstorbener wird dabei an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt, der in einem als Bestattungswald ausgewiesenem Wald steht. So eröffnet sich eine natürliche und würdevolle Alternative zu den bislang gewohnten Bestattungsritualen. Das Konzept ist unabhängig von Konfession, Wohnort und frei von sozialen Zwängen.

Die Idee der Baumbestattung wurde vom Schweizer Ingenieur Ueli Sauter im Jahre 1993 entwickelt und kommerzialisiert. Die Bezeichnung für sein Konzept „FriedWald“ ist als Marke eingetragen und darf nur für diese Begräbnisstätten genutzt werden. Im Jahre 2001 wurde in Deutschland der erste Friedwald eröffnet.

Menschen, die sich für eine Bestattung im Ruhewald interessieren, müssen sich grundsätzlich für eine Einäscherung entscheiden. Viele der Interessierten suchen sich zu Lebzeiten einen geeigneten Baum aus. Bei der Baumauswahl besteht die Möglichkeit, sich zwischen einem Platz am Gemeinschaftsbaum oder für den Familien- und Freundschaftsbaum zu entscheiden. An diesem können bis zu 10 Bestattungen durchgeführt werden

In einem Bestattungswald wird die Grabpflege von der Natur übernommen. Der auf Friedhöfen übliche Grabschmuck (Blumen und Gestecke, Kränze und Kerzen) ist im Bestattungswald nicht erwünscht. Die Grabstätten sind naturbelassen und nicht durch Grabsteine oder Bepflanzungen gekennzeichnet. Lediglich kleine Schilder an den Bäumen weisen auf Wunsch auf die Grabstätten hin.

In Bestattungswäldern sind nur Urnenbestattungen möglich. Die Urnen sind aus einem biologisch abbaubaren Material gefertigt, das sich im Boden zersetzt. Die Beisetzungen erfolgen in 60 bis 120 cm Tiefe.

Ein Vorteil für die Nachkommen besteht darin, dass eine Pflege der Grabstätte nicht erforderlich ist, aber dennoch ein angenehmer Platz für den Trauernden vorhanden ist.

FriedWald und RuheForst

Inzwischen bieten bundesweit zwei Firmen in Kooperation mit den Kommunen solche Waldbestattungen an: Die FriedWald GmbH in Griesheim und die RuheForst GmbH in Hilchenbach.

Bundesweit gibt es inzwischen 34 FriedWälder und 47 RuheForste. Davon in Nordrhein-Westfalen die Friedwälder in Kalletal, Bad Laasphe, Bad Münstereifel und Warendorf, sowie die Ruheforste in Bad Driburg, Hilchenbach, Hagen und Großfeld.  Auch in anderen Kommunen besteht die Möglichkeit der Baumbestattung in entsprechenden Waldgebieten, beispielsweise im Friedhofswald Siegen, im Urnenhain Minden, dem Friedhof Loxbaum in Hagen, dem Sennefriedhof oder dem Ruhewald Steimel.

In Olpe hatte der Stadtrat die Einrichtung eines Bestattungswaldes abgelehnt. Im Rahmen eines Bürgerentscheides haben sich die Bürger mehrheitlich (78 % Zustimmung bei der Wahlbeteiligung von 30 Prozent) für einen Bestattungswald entschieden.

Die Marken FriedWald und RuheForst sind im Markenrecht europaweit geschützt. Beide Unternehmen sind an der Betreibung eines Bestattungswaldes in Hallenberg nicht interessiert.

Von Seiten der Verwaltung wurde daher vorgeschlagen einen eigenen Bestattungswald unter der Trägerschaft der Stadt Hallenberg einzurichten.

Lage

Ein dafür geeignetes Grundstück, (Laubwald, nicht zu steil, gut zu erreichen und dazu in städtischem Eigentum) wurde in der Gemarkung Braunshausen gefunden.

Die Fläche hat eine Größe von 43.009 qm und ist direkt von der Kreisstraße 76 (Verbindungsstrasse zwischen Braunshausen und Dreislar) aus zu erreichen. Diese Fläche wird waldbaulich künftig nicht mehr bewirtschaftet und der Natur überlassen.

Nutzungsdauer

Der Ruhewald beginnt am 1.7.2011 und hat eine Nutzungsdauer von 99 Jahren, wobei in den letzten 25 Jahren keine Bestattung mehr erfolgt.

Beteiligung von Behörden

Im Rahmen unserer Planungen wurden durch den Hochsauerlandkreis die Untere Landschaftsbehörde, die Untere Wasserbehörde, das Gesundheitsamt, die Bauaufsicht und der Fachdienst Kreisstraßen beteiligt. Es ergaben sich keine Einwände, so dass mit Schreiben vom 29.3.2011 die Genehmigung für die Errichtung des Ruhewaldes erteilt.

Auch mit dem Jagdpächter wurde ein Gespräch geführt, in dem dieser sein Einverständnis erklärt wurde.

Kirchen

Auch mit den örtlichen Kirchen wurden vorab Gespräche geführt. In der evangelischen Kirche sind Baumbestattungen seit langem anerkannt. Inzwischen ist die Evang. Kirche in Schwanberg/Bayern selbst Träger des ersten kirchlichen Ruhewaldes.

In der katholischen Kirche wurde die Bestattung unter einem Baum ursprünglich als ein naturreligiöses Bekenntnis angesehen. Der Mensch kehrt nach dem Tod in den Kreislauf der Natur zurück. Da diese Vorstellung dem christlichen Glauben an die Auferstehen und das ewige Leben widerspricht lehnte die Kath. Kirche die Baumbestattung zunächst ab.

Inzwischen gibt es aber auch in der Kath. Kirche eine Akzeptanz der Waldbestattung.

Als wegweisend gelten die „Trierer Richtlinien für eine kirchliche Mitwirkung beim Baumbestattungen“. Diese Richtlinien wurden von dem aus Geseke stammenden Kardinal Reinhard Marx, damals Bischof von Trier, erlassen. Darin erlaubte er seinen Pfarrern Waldbestattungen durchzuführen. Voraussetzung sei das der Verstorbene keine naturreligiösen oder neuheidnischen Vorstellungen anhinge, heißt es dort. Außerdem müsse es gestattet sein am Baum ein Schild mit dem Namen des Verstorbenen und ein christliches Symbol anzubringen.

Mit Herrn Pastor Graute wurde ein ausführliches und sehr konstruktives Gespräch geführt. Auch wenn Herr Pastor Graute sich weiterhin für eine katholische Bestattung auf einem Friedhof ausspricht, so wird er den Wunsch von katholischen Christen nach einer Bestattung im Ruhewald akzeptieren, die Hinterbliebenen begleiten und auch die Trauermesse halten.

Baumarten und Kosten

Im Ruhewald Hallenberg gibt es mehrere Möglichkeiten der Bestattung. Ein Platz im Ruhewald an einem Gemeinschaftsbaum kostet 500 Euro. An einem Gemeinschaftsbaum sind bis zu 10 Urnenbestattungen möglich.

Es ist auch möglich einen eigenen Baum zu erwerben. Ein Ruhebaum für den Familien- oder Freundeskreis kostet 4.500 €. Auch hier ist die Bestattung von 10 Urnen möglich.

An einem Sternenkinderbaum können Tod- und Frühgeburten sowie Kinder bis zum 3. Lebensjahr bestattet werden. Für die Nutzung werden keine Entgelte erhoben, lediglich die Bestattungskosten sind zu zahlen..

Die gesamte Benutzungs- und Entgeltordnung ist in dieser Rundblickausgabe abgedruckt.

Baumaßnahmen

Im Ruhewald Hallenberg sind keine Baumaßnahmen vorgesehen. Das Gelände  ist von der Kreisstraße aus fussläufig gut zu erreichen. Alle Wege sind vorhanden. Die Parkflächen sind ebenfalls ausreichend und eine Einzäumung ist nicht vorgesehen.

Der Bau einer Andachtsstätte in Form eines hölzernen Unterstandes ist vorgesehen.

Ein Holzkreuz und Bänke werden kurzfristig aufgestellt.

Fazit

Die Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen ist ansteigend. Die Stadt Hallenberg kann mit dem Ruhewald diese Nachfrage decken und ihren Bürgern eine entsprechende Alternative zu herkömmlichen Bestattungsformen anbieten. Bürger der Stadt Hallenberg, die eine Waldbestattung wünschen können in ihrer Heimat bestattet werden und brauchen nicht auf auswärtige Angebote zurückgreifen.

Auch ehemalige Bürger oder gebürtige Hallenberger, die nicht mehr in Hallenberg wohnen und daher derzeit kein Recht auf eine Bestattung in Hallenberg haben können künftig auf Wunsch im Ruhewald Hallenberg bestattet werden.

Ein Ruhewald ist ein zusätzliches Angebot in unserer Stadt. Es wird niemand gezwungen sich im Ruhewald beerdigen zu lassen. Unsere bestehenden Friedhöfe bleiben selbstverständlich ohne jegliche Änderungen bestehen.

Weitere Informationen unter:
http://www.ruhewald-hallenberg.de/


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